ihkmagazin-IHK_09_26

dern wir sind hier mit Blick auf die Wirtschaft über- durchschnittlich erfolgreich. Wenn ich einen Wunsch äußern dürfte, dann ist das, dass jedes kommunale Parlament sich fragt: Zahlt es auf die Wirtschaft ein, was ich gerade tue? Es darf nicht der Kon ikt überwiegen, dass der Fahrradfahrer ge- winnt und das Auto verliert. Wir müssen Wirtschaft und Umwelt auch aus Sicht der Verwaltung wieder in ein gleichgeordnetes Miteinander bringen. Daher sollten wir in Wachstum investieren, in interkom- munale Gewerbegebiete, in die Infrastruktur. _Was stimmt Sie grundsätzlich positiv für die Zukunft unserer Region? Ein wesentlicher Vorteil unserer Region sind Hoch- schule und Universität. Das Zweite, was mich wirk- lich optimistisch stimmt, ist, dass wir eine durch und durch unternehmensgeprägte Region sind, in der viele Unternehmen familiengeführt sind. Die Loyalität von Unternehmerfamilien zu ihrem Standort ist geradezu sprichwörtlich. Der dritte As- pekt ist, dass unsere Branchenstruktur unglaublich breit aufgestellt ist. Wir haben große Unternehmen der Nahrungsmittelerzeugung oder in der Agrar- technik. Wir haben fantastische Champions im Be- reich des Maschinenbaus oder der Fahrzeugherstel- lung. Wir haben einen tollen Standort für Künstliche Intelligenz und daraus resultierende Anwendungen im Dienstleistungsbereich. Insofern bin ich sehr optimistisch. _Was möchten Sie den Auszubildenden in der Region auch nochmal in Sachen Kommunalwahl auf den Weg geben? Als Azubi würde ich die Kandidaten unter anderem fragen: Was tust du eigentlich für den Erhalt und für den Ausbau meiner Berufsschule? Was tust du dafür, dass ich mit dem öffentlichen Nahverkehr gut dorthin komme, dass ich aber auch gleichzeitig an Wochenenden an kulturellen Projekten teilneh- men kann? _Viele Kommunen stehen unter wirtschaftlichem Druck. Haben Sie Verständnis für Maßnahmen, die auch die Unternehmen und die Wirtschaft treffen? Natürlich habe ich Verständnis dafür, dass auch ein Stadtrat oder ein Kreistag verschiedene Dinge un- ter einen Hut bringen muss. Was aber nicht funk- tioniert, ist, sich ausschließlich auf ein Thema wie den Umweltschutz oder den Klimaschutz zu fokus- sieren und zu sagen: Alles andere ordnen wir dem unter. Wir brauchen ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Wirtschaftswachstum, Arbeitslosigkeit, In ation und Klimaschutz. _Wie sehen Sie trotz der knappen Kassen die Möglichkeit für Kommunen, ihre Standortquali- tät zu verbessern? Das ist keine einfache Aufgabe. Aber das ist eine Aufgabe, der muss sich jeder Unternehmer auch stellen, der in schwieriges Fahrwasser kommt, der Sanierungsentscheidungen zu treffen hat. Politik und Verwaltung können eben nicht allen alles ver- sprechen und müssen tatsächlich mit dem eisernen Besen durch die kommunale Verwaltung gehen. Sie müssen Sparpotenziale identi zieren und dürfen nicht länger zusätzliches Personal in erheblicher Größenordnung aufbauen. Wir alle müssen uns von lieb gewonnenen Gewohnheiten verabschie- den können. Das ist eine Härte, die den Kommunen und Landkreisen zuzumuten ist. _Wie können Kommunen angesichts ihrer Haus- haltssituation überhaupt noch ausreichend in- vestieren? In den vergangenen fünf Jahren sind die Gewerbe- steuereinnahmen, eine der Haupteinnahmequellen der Kommunen, von Jahr zu Jahr gestiegen. Nun sind auch die Aufgaben an die Kommunen immer größer geworden, viele dieser Aufgaben haben sie gar nicht bestellt. Aber Fakt ist eben: Sie haben tatsächlich mehr Geld als vorher. Ich muss auch einer Kommune zumuten, wirklich substanziell zu sparen. Die Politik traut sich nicht, den Bürgern reinen Wein einzuschenken und sich auf ihre wirk- lichen Kernaufgaben zu konzentrieren und auf der anderen Seite Ressourcen freizusetzen, die der An- siedlung oder dem Verbleiben von Wirtschaft för- derlich sind. _Was sollten die neu gewählten Kommunalparla- mente in den kommenden fünf Jahren angehen? Im Großen und Ganzen können wir mit den Kom- munalparlamenten im Emsland, in der Grafschaft Bentheim und in Stadt und Landkreis Osnabrück zufrieden sein. Wir können nicht nur klagen, son- Im Dialog Unser Tipp: Jetzt reinhören! Wir haben das Interview aufgezeichnet. Zur Audiofassung gelangen Sie per Klick über den Link und auch den QR-Code. ≥ www.ihk.de/osnabrueck (Nr. 7153984) | 16 Osnabrück | Emsland | Grafschaft Bentheim | September 2026 IM FOKUS | Kommunalwahlen

RkJQdWJsaXNoZXIy NzM2NDYw